Die Kathedrale und der Basar
Der Essay, der erklärte, warum ein Haufen Freiwilliger einen Konzern überflügeln konnte, und der Open-Source-Bewegung ihr grundlegendes Argument lieferte.

Das Objekt
Die Kathedrale und der Basar ist ein Essay von Eric S. Raymond, erstmals im Mai 1997 auf einer Linux-Konferenz vorgetragen und frei im Netz verbreitet. Er stellt zwei Arten gegenüber, Software zu bauen: die Kathedrale, in der Code im Verborgenen von einem kleinen, auserwählten Team gefertigt und erst nach Vollendung enthüllt wird, und den Basar, in dem Entwicklung lärmend in der Öffentlichkeit geschieht, mit frühen und häufigen Veröffentlichungen und der Freiheit für jeden mitzumachen. Linux, so Raymonds Argument, war als Basar erfolgreich gewesen, und das war kein Zufall, sondern eine Methode.
Genügend Augenpaare
Der meistzitierte Satz des Essays, den Raymond „Linus's Law" nannte, lautet „Bei genügend Augenpaaren sind alle Fehler oberflächlich": die Behauptung, dass eine große Gemeinschaft von Mitentwicklern Probleme schneller findet und behebt, als es ein geschlossenes Team je könnte. Wo Stallmans GNU-Manifest die moralische Begründung für freie Software lieferte, lieferte Raymond die praktische: Offene Entwicklung bringe schlicht besseren, robusteren Code hervor. Es war ein Argument, das geradewegs auf die Wirtschaft zielte.
Warum es zählt
Es funktionierte. Im Januar 1998 kündigte Netscape unter direkter Berufung auf den Essay an, den Quellcode seines Browsers freizugeben, die Entscheidung, die Mozilla und schließlich Firefox hervorbrachte. Wochen später prägte eine Gruppe, zu der auch Raymond gehörte, den Begriff „Open Source", um genau diese Idee der Industrie schmackhaft zu machen, ohne den ideologischen Ballast des Wortes „frei". Die moderne, kommerziell etablierte Open-Source-Welt führt einen Großteil ihres Selbstverständnisses auf dieses eine Dokument zurück.
Die Lehre, die er freisetzte
Eine Bewegung braucht sowohl ein Gewissen als auch eine wirtschaftliche Begründung. Die Kathedrale und der Basar lieferte die zweite und deutete den Hacker-Instinkt zu teilen als Wettbewerbsvorteil statt als Opfer um. Es ist das Scharnier, an dem freie Software von einer prinzipientreuen Minderheit in die selbstverständliche Art umschwenkte, in der die Welt heute ihre Infrastruktur baut.
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