Das GNU-Manifest
Richard Stallmans Erklärung, dass Software frei sein soll — und der juristische Hack, der sie dauerhaft machte.
Das Objekt
Das GNU-Manifest, von Richard Stallman verfasst und 1985 veröffentlicht, ruft Mitstreiter auf, ein vollständiges, Unix-kompatibles Betriebssystem zu bauen, das jeder nutzen, studieren, verändern und weitergeben kann. „GNU“ steht, rekursiv und pointiert, für „GNU's Not Unix“.
Von einem kaputten Drucker zu einer Bewegung
Der Ursprung ist klein und menschlich: Ein Xerox-Drucker im KI-Labor des MIT verklemmte ständig, und der Hersteller weigerte sich, den Quellcode freizugeben, mit dem Stallman ihn hätte reparieren können. Er verallgemeinerte den Ärger zu einem Prinzip. Software, die Nutzer weder einsehen noch ändern können, macht sie machtlos. Das Heilmittel waren nicht bessere Anbieter, sondern eine andere Definition von Eigentum.
Warum es zählt
Der tiefste Schachzug des Manifests war juristisch, nicht technisch. Die GNU General Public License wandte das Urheberrecht gegen sich selbst: Software durfte frei kopiert und verändert werden, unter der bindenden Bedingung, dass abgeleitete Werke dieselben Freiheiten weitertragen. „Copyleft“ machte aus einem Werkzeug der Einschränkung ein Werkzeug der Befreiung. Es ist einer der elegantesten Hacks überhaupt — am Gesetz statt an einer Maschine.
GNUs Komponenten, 1991 mit dem Linux-Kernel verbunden, wurden zum System, das heute den Großteil des Internets betreibt. Die Ethik von Spacewar! und des Homebrew-Newsletters erhielt hier eine Verfassung.
Die Lehre, die es freisetzte
Freiheit in Software ist kein Gefühl; sie ist eine Struktur, die man kodieren und durchsetzen kann. Indem er eine Lizenz wie ein Programm behandelte, zeigte Stallman, dass die mächtigsten Hacks manchmal an den Regeln selbst vollzogen werden.
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